Zum Minimalismus (Teil 1 von 2)

Weniger haben, weniger abhängig sein, weniger verbrauchen.

Abstinenzler und Einsiedler gab es schon immer. Eine kleine Geschichte des Minimalismus.

Die Alten

Der spitzmündige Diogenes (gest. 323/24 v.Chr.) soll in einer Tonne gelebt haben.

Und manch einer, der Jesus von Nazareth nachfolgen wollte, beispielsweise der ägyptische Eremit Antonius (gest. 356), hauste in einer – bis auf ein Loch für Wasser und karge Speise zugemauerten – Grabkammer.

In Deutschlands Wäldern lebten im Mittelalter zahlreiche Mönche in sogenannten Einsiedeleien.

Der US-Amerikaner Henry David Thoreau (gest. 1862) lebte in einer Holzhütte.

Letzterer gab die schlichte Parole aus “Vereinfachen. Vereinfachen.” Wie das vonstatten gehen soll, legte er in seinem Buch dar: Walden. Oder das Leben in den Wäldern. Er beschreibt darin sein Leben in der Natur, spricht aber auch über gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen.

Dass Anhänger des post-modernen Minimalismus nicht in Höhlen und Hütten hausen (müssen), um unter die Minimalisten gerechnet werden zu können, versteht sich von der Sache her:

Beim Minimalismus – ein Begriff aus der Kunst – geht es zunächst einmal um Reduktion, darum mit weniger auszukommen – in der Malerei beispielsweise mit weniger Formen oder Farbtönen.

Und das ist gut so: Damit ist der Begriff weit gefasst und lässt sich gut in verschiedene Lebenskonzepte übernehmen.


Minimalismus als Lebensstil

Das bedeutet: Der wohlhabende Bänker, der gutgenährte Pfarrer oder der über den neuesten Vertragsabschluss fröhlich-feixende Finanzmakler kann ebenso “reduzieren” wie der Bezieher von Leistungen nach ALG-II; jeder auf seinem Niveau.

Selbstverständlich ist mir auch schon die Vorstellung begegnet, nach der alle ihren Minimalismus auf dem halbwegs gleichen Niveau praktizieren müssten – im Beispiel unserer 3 Freiwilligen sähe das dann so aus:

Der Bänker lebt im Studentenwohnheim oder einem besetzten Haus, der Pfarrer wird zum Einsiedler und der Finanzmakler wohnt jetzt im Bauwagen (und zieht im Winter drei Jacken an, nix mit “Fernwärme”!). Wird das verlangt, mutiert allerdings der Minimalismus von einer Lebenseinstellung zur Ideologie.


Was ich habe, entscheidet darüber, was ich fortgeben kann

Der Ansatz, man solle seinen Besitz reduzieren, zum Beispiel weniger als 100 Dinge behalten können, führt – vereinfacht – dazu, dass jeder dort, wo er steht und mit dem, was er hat, “Prinzipien” des Minimalismus anwenden kann:

Denn was ich behalten bzw. fort geben kann, hängt stark von dem ab, was ich bereits besitze.

Dave Bruno war es, ein wohlhabender US-Amerikaner, der beim Frühjahrsputz festellen musste, dass er und seine Familie einfach zu viele Sachen besaßen, die ihr Haus verstopften: Hier im Interview.
Er verkündete schließlich 2007, ein Jahr lang mit weniger als 100 Sachen leben zu wollen.

Und da dies in den USA stattfand, wurde daraus auch gleich eine nette Kampagne: “100-Thing-Challenge”.

Von der Idee her vergleichbar, trennt sich Karin Friedli für ein Jahr täglich von einem Gegenstand.

Im Jahr 2011 gab es eine leichte Erschütterung der Macht des Minimalismus: Everett Bogue, ein ehemaliges Zugpferd der Minimalismus-Bewegung, ließ verlauten: “Minimalismus ist tot.”

Davon unbeirrt bloggen Leo Babauta und andere ihre Ideen weiter und tragen den Ruf nach weniger ins Netz. Sie geben so zahlreichen Interessierten Gedankenanstöße.

Und dann gibt es da noch die deutsch-sprachigen Seiten im Netz, die sich mal strenger, mal weiter mit Minimalismus beschäftigen. An Inspirationen für Dein einfaches Leben fehlt es also nicht …


 

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