Sonntagsgedanken: Consuming Kids

Da ich um Weihnachten herum und an den Feiertagen eine Menge Consuming Kids in den Geschäften beobachten konnte, ging mir seitdem die Frage nicht aus dem Kopf, wie wir als Schüler “konsumiert” haben.

 

 

Gut, Handys waren zu meiner Schulzeit was für besonders “wichtige” Leute. Und DVDs gerade erst im Kommen. CDs haben wir uns oft untereinander ausgeliehen – manchmal sogar verschenkt. So erinnere ich mich noch heute an das Album, das mir ein Mitschüler einfach in die Hand drückte: “Behalt’s einfach.”

Dass wir jeden Tag nach der Schule “Shoppen” gingen, war kaum verbreitet. Ich kann mich auch an keine Mitschülerin erinnern, die zusammen mit ihren Freundinnen komplett in Rosa herumlief.

Manche Nachmittage gehörten dem Schulsport oder einem Verein. Wir trafen uns, um uns vor einen Computer zu setzen … ich gehörte zumindest zu diesen Schülern.

Freitags oder Samstags ging man dann “in die Stadt”. Und da kreisten unsere Gedanken in der Hauptsache um Computerspiele, CDs, Zubehör, weniger um Klamotten.

Natürlich gab es da Unterschiede: Es gab schon welche, die regelmäßig nach neuen Marken-Sportschuhen Ausschau hielten. Weil die für manche halt ein Statussymbol darstellten.

Ich steckte meinen bescheidenen Reichtum lieber in aus meiner Sicht nützliche Dinge:

Mich zogen die Elektronik-Abteilungen der einzelnen Kaufhäuser besonders an oder Läden wie Conrad-Elektronik (damals noch unschlagbar günstig). Immer wieder mal hielt ich Ausschau nach Fahrradzubehör. Alles in allem: Consuming Kids waren wir nicht.

Was wir auch konsumierten, waren Kinofilme – aber eben noch im Kino.

Und McDonalds zu besuchen war so etwas wie ein Akt jugendlichen Aufbegehrens: McDoof war für einige Eltern was ganz doll Böses. Selbst der eine oder andere Lehrer schimpfte über den Fast-Food.

Tja, und damit meine Gedanken nicht mit McDoof enden, ein kleiner Beitrag, der zeigt, wie schlimm es heute um die Jugend steht:

 

 

 

 

Aber Ihr habt’s wahrscheinlich gewusst.

 

 

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8 Kommentare zu „Sonntagsgedanken: Consuming Kids“

  1. Emi sagt:

    Spontan würd ich sagen: “Mann, wir werden alt!”

    Kann mich deinen Beobachtungen nur anschließen. Damals hatten wir Kids aber auch noch viel mehr Interesse, Dinge zu unternehmen, also draußen zu sein. Skateboarden, Reitstall, Buden bauen und so.

    Glaubst du, die Jugendlichen heutzutage werden mit ihrem Konsum “dumm” und “ruhig” gehalten? Ist doch angenehm, wenn man (Staat/Werbung/ keine Ahnung wer) solvente, unkritische Kunden großzieht.

  2. Toffel sagt:

    “Buden bauen” – ymmd :-D

    Ja, alt werden wir. Aber solange wir im Herzen noch jung und rebellisch bleiben, ist nichts verloren.

    ” “dumm” und “ruhig” gehalten”: Natürlich, wenn die Jungs und Mädels nur Shoppen im Kopf haben und daheim erst mal die Daily Soap wartet – ja, was solln die dann noch auf die Straße gehen?
    Wofür überhaupt? Erst wenn das rosa T-Shirt mehr als 10,00 kostet und der Bildschirm dunkel bleibt, werden die Mülltonnen in den Vororten wieder brennen.

    Ich alter Zyniker.

    Wirklich schlimm finde ich, wie anstrengend es inzwischen ist, Schülerinnen oder auch Studenten von der Schönheit eines Spaziergangs oder gar eines Buches an einem konsum- oder fernsehfreien Tag zu “überzeugen”.

    Es gibt viel zu tun. Also hau in die Tasten …

  3. Emi sagt:

    Genau, machen wir zwei alten Hühner einfach die Revolution für die Jugend! ;-)

    Habe heute beim Spazieren gehen übrigens nur ältere Menschen und Familien gesehen. Dabei war Konsum-frei (=Sonntag) und Frühlingsprobe mit ganz viel blauem Himmel.
    Die Jungendlichen waren wahrscheinlich zu Hause und haben auf ihren eBookreadern gelesen. Bestimmt… ganz bestimmt….

    LG Emi

    PS: Danke Dir für Deinen tollen Kommentar!

  4. Pia sagt:

    Vor ein paar Wochen habe ich eine Dokumentation, ich glaube es war bei 37Grad, über Kinder aus armen Familien hier in Deutschland gesehen. Unglaublich, wie sehr die darunter leiden, dass sie sich nicht dasselbe superneue Smartphone kaufen können wie die anderen Kids (in einem anderen Beitrag zu selben Thema wunderte sich eine Lehrerin, wo auch die Kinder von Normalverdienern das Geld für diese Geräte herhaben). Wenn man nicht die passenden Klamotten oder Handys oder Mp3-Player hat, dann ist man nichts, dann wird man gehänselt. Da sind Kinder ganz brutal. Vielleicht liegt es also nicht an den einzelnen Kindern, sondern an der Gesellschaft, dass man schon mit 11 Jahren total Konsumgeil sein muss.
    Aber früher war auch nicht alles besser. Meine Eltern mussten noch beim Hühnerschlachten helfen, da bin ich froh, dass das an mir vorbeigegangen ist ;)

    LG Pia

  5. Toffel sagt:

    Hallo Pia.
    Herzlich willkommen.
    Es ist nicht so, dass wir das nicht auch von früher kennen: Die Jacke von N*ke. Und ich erinnere mich noch an die “aufpumbaren” Turnschuhe ;-) und die Jeans von L*vis.
    Ich frage mich, worin Alternativen bestehen können: Darin, dass Kinder sich vielleicht über ganz andere, unerhört neue “Besitztümer” definieren.
    Welches Buch sie gelesen haben – von mir aus auch auf dem eReader … oder auch welche Sonate sie spielen können. Oder wo sich sich in ihrer freien Zeit engagieren. Oder welcher jüngeren Schülerin sie beim Lernen helfen. Da gibt es derartig viele Möglichkeiten, Kindern und Jugendlichen – “schwierige Phase” hin oder her – Alternativen zu Konsumgütern schmackhaft zu machen.
    Es ist die Diskussion darum, was wertvoll ist, was bleibt.
    Soll ja kein Patentrezept sein…aber bei dem einen oder anderen Teenie soll das schon bei akuter Konsumgeilheit für einen Perspektivwechsel gesorgt haben.
    LG
    Toffel

  6. minimize sagt:

    Hm, ich muss dazu was suchen … von Meister Schramm.

    Hier ist es nun: http://einfachweniger.net/2014/01/fundstuck-schramm-pisakruppe/

  7. Emi sagt:

    Stimmt! Solche Status-Symbole hatten wir auch.. aber sie begrenzten sich mehr auf einzelne coole Dinge. Heutzutage habe ich den Eindruck, die Kids müssen sich ein ganzes Image kaufen. “Du bist, was du hast.”

    Sagt mal, war es nicht ganz früher, also in unserer Elterngeneration, so, dass man sich Status durch Können im Sport, Schlauheit und Prügeleien erarbeitet hat?! Ich weiß das nicht so genau, aber vielleicht müssten wir alle wieder ein bisschen mehr Rangeln. (Vgl. Joko und Klaas) :-P

  8. minimize sagt:

    Zwei Beiträge, ZDF, 37 Grad:

    http://www.zdf.de/37-Grad/schueler-in-der-leistungsfalle-durchgeplant-ausgebrannt-burnout-stress-31372176.html

    http://www.zdf.de/37-Grad/ohne-geld-kleine-welt-kinder-im-sozialen-abseits-kinderarmut-31035000.html

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