Sonntagsgedanken: Darf ich?

Darf ich wollen, was ich will?


Heute ist Muttertag. Da fällt mir ein:

Meine Mutter verfügte über einen reichen Schatz an Sprüchen. Die meisten davon – seien wir heute zurückhaltend-freundlich – enthielten weniger sinnvolle Aussagen. Zum Beispiel:

“Kinder, die was wollen …” – und, wie geht es weiter?

…richtig: “… die kriegen was auf die Bollen.”

Im Studium haben wir derartiges Zeug in den Ordner “Schwarze Pädagogik” verschoben – oder gleich in den Papierkorb, zu Englisch: “Trashcan”, weil es eben trash ist.

Bei Wünschen wie “Ich will zum Mittagessen Schokoladenpudding mit Zitronen-Bonbons”, “Ich will heute meine Gothic-Freunde, so etwa 30 einladen und die bleiben über Nacht” oder angesichts einer Forderung des Kindes “Ich will eine Taschengelderhöhung von monatlich 6% und einmalig 300,00 Euro” kann einem Elternteil das mit den Bollen schon mal durch den Kopf schießen.

Aber bei: “Ich will gerne Klavier spielen” und “Ich will Geld für Schulbücher” sicher nicht.

Das Problem mit derartig fragwürdigen “Sprüchlein” ist nicht unbedingt, dass sie manchmal auch dann Anwendung finden, wenn das Wollen völlig berechtigt ist. Zum Beispiel, wenn es um Bildung oder Sport oder “gesellschaftliche Teilhabe” :-D geht.

Bei der Playstation kann man nicht nur, sondern da sollte man zweimal überlegen.

Aber bei einem Buch? Bei Cello-Unterricht? Einem Konzert “Mozart meets Rock”?

Das Probelm ist eher, dass Kinder und Jugendlich sich solche “Sprüchlein” merken.

Somit hat jede(r) von uns den einen oder anderen einschränkenden Glaubenssatz verinnerlicht.

Und die kommen zu einem Teil von den Eltern, diese wiederum haben sie von ihren Eltern usw.

Natürlich gibt es Lehrer, die Schülern sagen: “Das wird nichts.” Soll’s geben.

Oder Sporttrainer, die ihre Schützlinge “motivieren”: “Du schaffst das nie.”

Das sind aber eher schlechte Ausnahmen.

Daher als heutiger Sonntagsgedanke die Frage: “Darf ich wollen, was ich will?

Entweder kannst Du Dir diese Frage stellen, für Dich selbst, Deine Wünsche.

Oder Du stellst sie Dir mit Blick auf Deine Kinder, Deine Schüler, auf Menschen, für die Du verantwortlich bist.

Natürlich bin ich davon überzeugt, dass wir dürfen wollen, was wir tun oder erreichen wollen.

Stelle Dir nur einmal den Menschen vor, den Du heiß und innig liebst. Dessen Wünsche kennst Du hoffentlich, mit dessen Zielen kannst Du Dich hoffentlich identifizieren oder Du kannst sie zumindest unterstützen.

Würdest Du diesem Menschen erlauben, das zu tun, was er tun oder erreichen will?

Die Antworten reichen hoffentlich von “Sehr wahrscheinlich” bis “Na klar! Auf jeden Fall!”

Dann gilt das natürlich auch für Dich selbst.

 


 

 




 

 

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3 Kommentare zu „Sonntagsgedanken: Darf ich?“

  1. Bertram Schaier sagt:

    Ein mir wichtiger Mensch, hat mir mit auf meinen Lebensweg gegeben: “Du darfst alles, wirklich alles, musst allerdings immer die Folgen tragen – drum sei achtsam!”

    Eine weitere Weisheit: “Treffe lieber eine falsche Entscheidung als keine. Eine falsche kannst Du fast immer korrigieren. Keine Entscheidung treffen mach fast immer krank – drum sei achtsam!”

  2. Toffel sagt:

    Vielen Dank für diese schöne Ergänzung!
    Oh ja, die Folgen ;-) immerhin sind sie meistens lehrreich.
    Gar keine Entscheidung zu treffen, finde ich furchtbar und so unfruchtbar.
    Liebe Grüße!

  3. Toffel sagt:

    Heute hielt ich lange eine Postkarte in der Hand:
    “Wir müssen Entscheidungen treffen. Wer sich nicht entscheidet, ist bereits verloren.”

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