Kirche: “Sieben Wochen ohne Gehalt.”

Verzichten.

Für sieben Wochen.

“Und was ist mit den restlichen 46 Wochen des Jahres? Sind das nicht die wirklich interessanten Wochen?” Stimmt.

Ich denke, es kann hilfreich sein, eine überschaubare Zeit über etwas einzuüben. Dabei entsteht die eine oder andere gute Gewohnheit.


Aus diesem Grund sind Fastenaktionen für Minimalisten oder für Menschen, die sich damit beschäftigen, interessant.

Sieben Wochen ohne so heißt eine Fastenaktion der Kirche, eine Aktion, die mich nicht wirklich überzeugt. Wir werden nämlich eingeladen – richtig, erst einmal zu konsumieren, zum Beispiel:

Gut genug! – Wandkalender

7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz

Ihr Begleiter durch die Fastenzeit. Aufwendig gestalteter Wandkalender mit einem Doppelblatt pro Fastentag.

EUR 10,90

 

Man beachte: “Aufwendig gestaltet” muss er sein.

Und das alles “Ohne falschen Ehrgeiz”, man gönnt sich ja sonst nichts – zum Beispiel…

 

…den Wandkalender + 3 Briefe

7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz

Zusätzlich zum Wandkalender erhalten Sie drei Fastenbriefe, die zu Beginn, in der Mitte und am Ende der Fastenzeit per Post an Sie verschickt werden.

EUR 15,10

und für schlappe 18,00 in’s Kirchensäckl gibt es die – halten wir uns am Stuhl fest – “Celebrate Bach CD“!

 

Ihr habt’s inzwischen verstanden: Ich halte die Kirche* für einen kommerziellen Laden, durch und durch. Hier wird aus allem – fast allem – Geld gemacht.

Schließlich soll Jesus gelehrt haben: “Wer viel hat, dem wird noch mehr gegeben; wer wenig hat, dem wird auch dies noch genommen.”

Damit hat er den (spätrömischen) Kapitalismus auf den Punkt gebracht.

Die Kirche hat sich folglich stets kräftig bemüht auf der Seite derer zu stehen, die viel haben. Eindeutig.

Eindeutig auch meine Empfehlung an die Kirche(n): Sieben Wochen ohne Gehalt für die Pfarrer.

Das macht bei einem Pfarrgehalt in der Höhe von 3500,00/Monat für jede volle Pfarrstelle in sieben Wochen einen schönen Betrag:

14.000 (Vollzeitstellen, evangelisch) x 3.500 Euro x 1,625 (ca. sieben Wochen) = 79.625.000 Euro

 

Bei diesem Verzicht ließen sich Kalender  – und meinetwegen auch “Celebrate Bach” – vielfach unter’s Volk verteilen. Gratis, versteht sich.

Aber… hilft das irgendwem? Nein. Mit diesem “aufwendig gestalteten” Kram ist niemandem geholfen. Diesen Ausdruck gut-bürgerlicher Frömmigkeit kann man nämlich nicht essen.

Im übrigen soll Jesus ja auch keine 5.000 Wandkalender verteilt haben. Aber ich schweife ab.

Denken wir weiter:

Ein halbes Jahr Verzicht der verbeamteten Nachfolger des einstigen Wanderpredigers ergibt 477.750.000 Euro. Damit ließe sich schon ein kleiner Beitrag leisten zur finanziellen Rettung Griechenlands.

Gut, Griechenland ist nicht mehr zu retten.

Aber wie steht es um Schulen und Bildungseinrichtungen?

Das wäre doch was: Die PfarrerInnen verzichten und es kommt den sogenannten bildungsfernen Menschen zugute?

Endlich mal Taten und nicht nur wohltemperierte Sonntagsreden.

Bei einem halben Jahr Verzicht blieben den PfarrerInnen noch ungefähr 21.000 Euro im Jahr.

Davon kann man leben.

 

Eigentlich freue ich mich auf diese Fastenaktion der Kirche(n).


Doch: Ob die Herren und Frauen Pfarrer zu diesem Verzicht bereit sein werden?

Allein mir fehlt der Glaube.

 

 

 

* Ich möchte der an mich heran getragenen Bitte nachkommen und meine “Polemik” korrigieren; das mache ich so:

Wenn hier von Kirche die Rede ist, dann ist die Staatskirche – bei uns freundlich “Landeskirche” genannt – gemeint; Pfarrer sind die “Pfarrherren” und “Pfarrherrinnen” dieser Landeskirchen, die – was Besoldung, staatliche Alimentierung privater Krankenversicherung (optional) und Altersbezüge betrifft – Staatsbeamte kaum beneiden müssen. Zudem können Pfarrer in “Kirchenparlamenten” – unseren Politikern gleich – selbst die Erhöhung ihrer Bezüge beantragen bzw. durchsetzen.

Mit Blick auf die – von mir gar nicht erwähnte – katholische Kirche lässt sich noch folgender Nachtrag machen: Priester, selbst wenn diese erwiesenermaßen Kinder missbraucht haben, bleiben Priester “in Ewigkeit”; dies wird theologisch mit diversen Bibelstellen begründet. Das bedeutet: Konkrete finanzielle Einbußen hat vielleicht ein Kleinganove zu befürchten, nicht jedoch ein “Diener Gottes”.Man sieht: Die Kirche lässt ihre “verdienten” Führungsgestalten nicht im Stich…

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4 Kommentare zu „Kirche: “Sieben Wochen ohne Gehalt.”“

  1. Jan sagt:

    Sehr amüsant :-)
    Ich würde persönlich der Kirche aber keinen Hang zur Profitmaximierung unterstellen. Die Kirche ist einfach, wie wir alle, Teil des kapitalistischen Systems und hat Kosten, die sie decken muss. Dafür stehen ihr eben auch nur die kapitalistischen Werkzeuge zur Verfügung

    Auf einem ganz anderen Blatt steht natürlich Deine berechtigte Kritik, ob die Kirche sich nicht besser auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und durch eigenen Verzicht den Kostenbedarf minimieren sollte.

    Ich für meinen Teil trenne schon lange zwischen der für mich durchaus achtenswerten Lehre Jesu und der Institution/ Organisation Kirche, die eben, wie jede Institution/ Organisation zu ihrer eigenen Aufrechterhaltung Funktionslogiken braucht, die sich mit dem eigentlich Ziel nur bedingt vertragen.

    Herzliche Grüße,
    Jan

  2. minimize sagt:

    Fein, dass es Dir gefallen hat.
    Natürlich lebt die Kirche in dieser Welt. Doch niemand zwingt sie dazu, gemeinsame Sache mit ihr zu machen, sich – was Deutschland betrifft – von ihr aushalten zu lassen und nach politischem Einfluss zu greifen ;-)
    Sie könnte sich an Jesu Tun und Lehre orientieren: Der kam in ein System, in dem alle so handelten wie immer und alle sagten: “Das kann man nicht ändern!” und: “Das ist halt so.”
    Er dachte anders, er machte es anders.

    Deinem Schlusssatz kann ich nur zustimmen; geschliffen und auf den Punkt gebracht wie immer. Vielen Dank dafür.

  3. ohneworte sagt:

    http://www.kabarett-k3.de/pfarrersong.html

  4. Frauke sagt:

    Bei diesem Beitrag musst ich schmunzeln und finde Du hast es gut auf den Punkt gebracht, Grüßle

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