Sonntagsgedanken – Vier Fragen (3)

In den letzten Sonntagsgedanken, Teil 2 der vier Fragen ging es zum Schluss um die Frage:

Woran erkenne ich, dass ich mein Ziel erreicht, mein Vorhaben verwirklicht habe?

Heute, im dritten und vorletzten Teil:

Wie wird mein Ziel attraktiv?


Woran erkenne ich, dass ich mein Ziel erreicht, mein Vorhaben verwirklicht habe?

Dazu gehört auf jeden Fall, ein Ziel so zu formulieren, dass es greifbar wird:

Besser als “Ich will nicht länger ins Unterholz schießen” klingt es, wenn ich mir sage: “4 von 6 Pfeilen will ich auf die Scheibe bringen.”

Es klingt nicht nur besser. Es klammert auch das Negative aus, hier: Das Unterholz, das ich ja nicht mehr mit meinen Pfeilen durchpflügen möchte; daher sollte es auch in meiner Formulierung keine Rolle mehr spielen.

Und mit diesem klar formulierten Ziel kannst du weiter arbeiten.

Heute geht es darum: Wie wird mein Ziel attraktiv?

Vorweg: Wie wir lernen, wie wir uns motivieren, wie wir mit Herausforderungen umgehen, hat seine Wurzeln auch(!) in unserer Kindheit. Hier werden nunmal entscheidene “Mechanismen”, Strategien eingeübt.

Wie wir in unserer Kindheit und Jugend motiviert wurden oder uns selbst befeuert haben, etwas zu erreichen, kann uns auch heute noch bestimmen.

So leisten manche Menschen intellektuell sehr viel, scheinen jedoch “zwei linke Hände” zu haben, wenn es um “echtes Tun”, das Beherrschen von Handgriffen geht.

Das kann(!) seine Ursache darin haben, dass einst nur ihre “geistigen” Fähigkeiten ausreichend gewürdigt wurden.

Andere Menschen hatten vielleicht Lehrer, die nicht zu erkennen vermochten, wie begabt sie schreiben könnten. Sie schauten vielleicht nur auf die Rechtschreibung und achteten darauf, ob die Schrift leserlich war. Ob der Inhalt wunderbar oder die Kinder für ihr Alter erstaunlich gut formulieren konnten, erfassten diese Pädagogen nicht oder lobten die Kinder nicht dafür.

Deshalb denken diese Menschen heute: “Ich kann nicht gut erzhählen” oder “Schreiben liegt mir nicht”.

Das Wunderbare ist nun: Für die nächsten Schritte im Umgang mit deinen Zielen sind diese erlernten Strategien oder auch “Altlasten” keineswegs entscheidend.

Es kann interessant sein, darum zu wissen. Entscheidend ist jedoch etwas ganz anders:


Kleine Übung (4-6 Minuten)

Stell dir ein Ereignis vor, das wunderbar, das zu schön war, um wahr zu sein.

Versetze dich in die Situation von damals.

Was hast du getan oder erlebt, das so wunderbar war?

Mache einen Filmclip aus deinem Erlebnis.

Die Umgebung, Töne, Stimmen, Gerüche, stell’ dir alles vor, was du erlebt hast.

Wie hast du dich gefühlt?

Was hast du empfunden? Freude? Stolz? Erleichterung?

Wer war dabei, wer hat sich mit dir gefreut?

Genieße noch einmal dein wunderbares Erlebnis.



Es geht hier nicht um eine Technik.

Diese Übung zeigt, was unser Gehirn dauernd macht: Es vergleicht Situationen, in die wir geraten, Herausforderungen, vor denen wir stehen, mit alten Erinnerungen. Es schaut nach, wie wir uns damals verhalten und gefühlt haben.

Das geht so schnell, dass wir diesen “Datenabgleich im Gehirn” nur selten registrieren.

Du kannst dir jedoch selbst Erinnerungen an gelingende Vorhaben, an verwirklichte Ziele “ins Bewusstsein rufen”.

Beispiel:

Ich habe nicht lange Fußball gespielt. Und ich war gewiss kein guter Spieler.

Dennoch erinnere ich mich gerne an ein bestimmtes Turnier. Hier hatte ich drei Tore geschossen, obwohl ich Torwart war.

Du kanst dir dein Ereignis mit geschlossenen Augen noch einmal ins Gedächtnis rufen: Wie war das?

In meiner Erinnerung kommt mir sogar der Geruch der Halle in den Sinn und das Kopfschütteln des Trainers, als ich einfach so das Tor verlassen habe und in die gegnerische Hälfte renne.

 

Was dir diese Erinnerung bringt? Es beantwortet bildreich die Frage:

Wie ist das, wenn man etwas erreicht hat?

 

An dieser Stelle kommen die Ziele, die du letzen Sonntag möglichst genau aufschreiben solltest, ins Spiel:

Wenn ein Eintrag auf deinem Papier lautet, 27.000 Seemeilen zu segeln, wenn es das ist, wovon du sagst

Will ich erreichen, habe ich nicht

dann solltest du eine genaue Vorstellung davon haben, wie es sich anfühlt, etwas erreicht zu haben.

Die gerade einmal 16-jährige Laura Dekker sprach über das, was sie liebte:

Sie stellte sich vor, wie es sein wird, fremde Küsten vom Boot aus zu sehen, die beeindruckenden Spiele der Sonne auf dem Wasser zu beobachten.

Und noch etwas sagt uns die junge Seglerin: Sie habe sich in Erinnerung gerufen, wie hart sie hat kämpfen müssen, um überhaupt an ihrer eigenen Vision teilhaben zu können.
Schon im Vorfeld gilt es zu planen, gibt es Hindernisse zu überwinden.

Es ist wichtig, sich zu überlegen, was wir bisher auf uns genommen haben, um ein spezielles Ziel zu erreichen.


Wenn du auf deiner Positiv-Liste die wichtigsten Ziele anschaust, kannst du mit ihnen ebenso verfahren wie mit den Erfolgserlebnissen, an die du dich erinnert hast.

Stell’ dir vor, wie es sein wird, wenn du erreicht haben wirst,

was du dir vorgenommen hast.

Das macht deine Vorhaben attraktiv! Du wirst regelmäßig an sie denken, gerade weil du dir ausgemalt hast, wie es sein wird, etwas neues, wunderbares zu erleben.

 

 

How to frame or rephrase your goals. How gorgeous memories can encourage you to embrace your goals.


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3 Kommentare zu „Sonntagsgedanken – Vier Fragen (3)“

  1. Jan sagt:

    Super Artikel ! Ich habe schon soviel übers Zielesetzen gelesen, aber noch nie in Verbindung mit dieser praktischen Übung.
    Gruß Jan

  2. minimize sagt:

    Das freut mich.
    An den Sonntagen hab’ ich viel Text “gemacht”. Dabei wünsch’ ich mir, dass so eine Übung Anklang findet und hoffentlich auch weiter bringt.
    Danke für Deinen Besuch.

  3. Frauke sagt:

    Schöne Anregung zum Zielesetzen :)

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